Von Entnazifizierungsakten und Persilscheinen

Die Mitglieder des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung" des Vereins Overledinger Geschichte e.V. befassten sich Mitte November im „Alten Fehnhaus“ in Ostrhauderfehn, mit regionaler Geschichte. Nach der Begrüßung von Heiner Hülsebusch stellte Silke Onken verschiedene neu erschienene und antiquarische Bücher vor, welche sich mit der ostfriesischen Geschichte beschäftigen. Hierzu hatte sie eine umfangreiche Bücherliste zusammengestellt, die auf großes Interesse stieß. 

 

 Der Büchertisch stieß auf viel Interesse (Foto: Groeneveld) 

 

Im Anschluss an eine Teepause stand der Vortrag „Entnazifizierung im Overledingerland“ von Heinz Giermanns im Mittelpunkt. Der Referent selbst, bezeichnete das Thema Entnazifizierung, mit dem die Siegermächte nach 1945 versuchten, belastete Personen aus ihren Ämtern zu entfernen, als schwierig. 

 

Giermanns erinnerte an die Geschehnisse zu Kriegsende in unserer Region, welches viel Elend brachte. Bei der Frage nach den Verantwortlichkeiten während der NS-Zeit konnte man den Eindruck gewinnen, dass nur „Die da oben“ Schuld waren und sonst niemand vor Ort für irgendetwas verantwortlich war. Es lagern aber im niedersächsischen Landesarchiv Aurich über 400 öffentlich zugängliche Entnazifizierungsakten, die eine andere Sprache sprechen. Heinz Giermanns zeigte auf, wie man sich Online entsprechend informieren könne. 

 

Entsprechend der Kontrollratsdirektive Nr. 38 der Siegermächte gab es fünf Kategorien, nach denen die Bevölkerung von „Nicht betroffen“ über „Wesentliche Förderer und Nutznießer“ oder „Hauptschuldige“ beurteilt wurden. Ziel der Beschuldigten war es, in Gruppe „5“ als „Entlastet“ eingestuft zu werden. Dazu berief man sich z.B. auf Zeugen aus der Nachbarschaft, dass man in der NS-Zeit politisch nicht hervorgetreten sei. Diese Bescheinigungen wurden im Volksmund als „Persilscheine“ bezeichnet, weil damit versucht wurde die Befragten reinzuwaschen von jeglichen Aktivitäten. 

 

An mehreren Beispielen veranschaulichte der Referent diese Einordnungen mit konkreten Biografien aus den Archivbeständen. Insgesamt wurden im Overledingerland als Nachwirkung der NS-Zeit 280 Menschen als Förderer und Nutznießer eingestuft. Mit viel Applaus bedankten sich die Arbeitskreismitglieder für den aufschlussreichen Vortrag bei Heinz Giermanns. 

 

Zum Abschluss erhielten die Teilnehmer des Geschichtskreises noch „Hausaufgaben“ mit auf den Weg, welche Helma Heinze zusammengestellt hatte. So sollen die Erinnerungen der Heimatforscher z.B. nach früheren Hausschlachtern oder Fleischbeschauern abgefragt werden.

 

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Veröffentlichung

Do, 27. November 2025

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