Schatteburger „Blitzkiste“ enthielt wichtige Dokumente
Um „Blitz und Donner“ drehte sich vor kurzem das Treffen der Heimatforscher des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung" des Vereins Overledinger Geschichte e.V. im „Alten Fehnhaus“ in Ostrhauderfehn, zu der Frank Groeneveld über 30 Teilnehmer begrüßen konnte. Nach dem Austausch aktueller Infos aus dem Bereich der regionalen Heimatforschung trug Heinz Giermanns seinen Vortrag mit dem Titel "Schätze aus der Schatteburger Blitzkiste" vor.
Giermanns erklärte, dass die Menschen bereits in frühester Zeit große Angst vor Blitz und Donner hatten. Sie wussten, dass ein Blitzschlag Feuer verursachen und Häuser zerstören konnte. Deshalb hofften sie stets, dass ihr Zuhause vom Blitz verschont bleiben würde. Falls doch ein Blitz einschlagen sollte, war es ihnen besonders wichtig, ihre wichtigsten Dokumente und Wertgegenstände zu schützen.
Dazu legten sie diese in eine sogenannte „Blitzkiste“ – eine spezielle Aufbewahrungskiste, die aus Holz oder später aus Blech gefertigt wurde. Diese Kiste stand immer griffbereit auf der Fensterbank oder dem Küchenschrank, damit sie im Notfall schnell zur Hand war. In der Blitzkiste bewahrten die Menschen z.B. Geburtsurkunden, Ausweise, Kaufverträge, Schmuck und andere wertvolle Gegenstände auf, um sie im Falle eines Hausbrands oder anderer Unglücke zu sichern.
So versammelten sich während eines Gewitters oft die Familienangehörigen um den Küchentisch, um bei Bedarf schnell aus dem Haus hinauslaufen zu können. Dabei nahm die Mutter oder die Großmutter die Blitzkiste auf den Schoß.
Die Schatteburger Blitzkiste befand sich im Besitz von Hermann Follrichs, der nach dem Ende des 2.Weltkrieges 1945 im Alter von 25 Jahren das Amt des Bürgermeisters von Schatteburg erhielt. Bis 1973 übte er dieses Amt aus. Diese hölzerne Blitzkiste hatten bereits seine Vorgänger als Orts- oder Gemeindevorsteher für amtliche Dokumente verwendet, die bis ins Jahr 1758 zurückreichten. Sie enthielt z.B. Unterlagen für die Themen Steuer, Sielacht, Wegereinigungen oder Hausneubauten und Wahlen. Weiter gab es Verordnungen zur Graben- und Wiekenreinigung und Dekrete rund um die Viehhaltung (z.B. Schutz vor Rinderpest) und sonstige gemeindliche Angelegenheiten wie beispielsweise zum Armenwesen oder zur Schatteburger Schule, die von 1821 bis 1871 als Nebenschule von Backemoor geführt wurde. Einige Teilnehmer ergänzten die Ausführungen, indem sie davon berichteten, wie sich ihre Familien früher bei Gewitter verhielten.
Der Vortrag gab einen interessanten Einblick in die Ängste und Vorsichtsmaßnahmen unserer Vorfahren und zeigte, wie sie versuchten, ihre wichtigsten Dinge vor den Naturgewalten zu schützen. Die Zuhörer bedankten sich mit viel Applaus bei Heinz Giermanns.
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